Vergleich zwischen BTD und Luther 2017

Einen Einblick in die Besonderheiten der BTD-Übersetzung bietet ein Vergleich der Übersetzungen von Joh 1:1-18.

In dem Bild zum Beitrag haben wir die Differenzen farbig markiert. Die Pfeile weisen auf die Hinweise hin, die Erläuterungen zur Übersetzung geben. Neben den sprachlichen Argumenten könnte man auch vertiefend dogmatisch argumentieren. Das würde den Beitrag sprengen und den Schwerpunkt dieses Blogs verlagern.

 

Hinweis 1

Joh 1:1
Das Wort war Gott.“ καὶ Θεὸς ἦν ὁ Λόγος. Luther: „und Gott war das Wort

Wir haben im Griechischen folgende Konstruktion: Prädikativer Nominativ (PN) – gleichsetzendes Verb – Subjekt (S). Diese Gleichsetzung bedeutet aber keine vollständige Gleichsetzung wie in der Formel: A=B, B=A. Sondern der PN beschreibt in der Regel eine grössere Kategorie zu der das S gehört. Es geht um die Natur des Wortes aber nicht um seine Identität, es geht also um seine Göttlichkeit. Der Artikel gibt ein Hinweis, wie S und PN zu unterscheiden sind, denn er steht beim S.
Das Wort ist nicht die gleiche Person wie Gott, sondern von der gleichen Natur. Auf diese zweite Person der Trinität sind dann die folgenden Sätze bezogen. Daher haben wir übersetzt: Joh 1:3 „Alles ist durch ihn geworden …“ und nicht wie bei Luther „dasselbe“.

Hinweis 2

Joh 1:12
BTD „All denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Gewalt, Kinder Gottes zu werden ….“
Luther „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden …“

Ἐξουσία haben wir mit Gewalt übersetzt. Δύναμις mit Macht, die als Kennzeichen Gottes verstanden wird, z.B. Im Umfeld der Wunder.

Hinweis 3

Joh 1:14
BTD „…Wort ward Fleisch und schlug sein Zelt auf unter uns, …“
Luther „…Wort ward Fleisch und wohnte unter uns …“

Wir haben eine sehr wörtliche Übersetzung gewählt. Das Zelt (Stiftshütte) ist im Alten Testament ein Ort der Gottesbegegnung. Johannes könnte mit seiner Formulierung darauf anspielen. Diese Assoziation möchten wir auch dem Leser ermöglichen.

Hinweis 4

Joh 1:14
BTD „… eine Herrlichkeit wie des vom Vater Einziggezeugten, …“
Luther „ … eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater …“

Μονογενής kann sowohl als „einziggezeugt“ als auch als „einziggeboren“ , wie auch als „einzig“ (NGÜ) übersetzt werden. Unsere Übersetzung entspricht dem Gebrauch im Glaubensbekenntnis.

Hinweis 5

Joh 1:16

BTD „Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen …“
Luther „Von seiner Fülle haben wir alle genommen …“

Empfangen betont den Geschenkcharakter. Die meisten Väterkommentare unterstützen unsere Übersetzung.

Hinweis 6

Joh 1:18

BTD „Keiner hat Gott je gesehen; der einziggezeugte Sohn, der an der Brust des Vaters ist,“
Luther „ Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoss ist, …“

Hier haben wir einen unterschiedlichen Ur-Textbestand zwischen dem Text des Patriarchates und Nestle-Aland.

Eine Antwort zu “Vergleich zwischen BTD und Luther 2017”

  1. Christian Weis sagt:

    Es war mir schon immer ein Rätsel, warum sich die meisten Übersetzer für „Schoß“statt „Busen/Brust“entschieden haben.
    Schließlich ist hier der Grundtext
    eindeutig. „Kolpos“-Brust drückt die innige Verbindung zwischen Vater und Sohn genauso gut und exakter aus.

Kommentar

* Pflichtfeld